Die entweihte Donar-Eiche zu Fritzlar

Stimmen zur Aktion in Fritzlar am 16.6.2012

Stimmen zur Aktion von Teilnehmern und Nicht-Teinehmern am 16.6.2012 in Fritzlar

 

Servus zusammen,

 

da die Aktion in Fritzlar im Vorfeld und natürlich auch im Nachhinein viele Kontroversen, Diskussionen und Statements hervorgebracht hat, habe ich mir erlaubt, einige davon zu sammeln, um sie nun hier zu veröffentlichen. Manche Briefe erreichten mich selbst, andere wurden von Leuten gefunden und an mich weitergeschickt und wieder andere habe ich aus öffentlichen Netz-Plattformen kopiert. So denke und hoffe ich also, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, wenn seine Meinungen und Gedanken hier noch mal auftauchen. Falls doch – kann er mich gerne anschreiben, dann entferne ich seine Zeilen.

 

Im allgemeinen bin ich selbst ja nicht so ein Freund von Internet-Portalen bzw. den dortigen Diskussionen – zu denen ich schon vielfach eingeladen wurde. Einfach aus dem Grund, dass ich arbeitsbedingt ohnehin schon viel zu viel Zeit am PC verbringe und es da draußen offensichtlich einige Leute gibt, die nix Besseres zu tun haben, als sich ihre Aufmerksamkeit übers Netz zu suchen. Und das kann mitunter schon sehr zeitraubend und anstrengend sein… und führt meist leider eh zu nichts. Die persönliche Tat und selbiges Aufeinandertreffen kann ein Netz-Kontakt, zumindest meiner bisherigen Erfahrung nach, niemals ersetzen. Unbestritten hingegen ist natürlich, dass das Internet die beste Möglichkeit bleibt, um sich untereinander auszutauschen, zu vernetzen und den Dialog voranzutreiben, was ja unser Ziel sein sollte.

Wichtig fand ich es, hier mal einen kleinen Querschnitt an Stimmen zur Aktion zu präsentieren. Denn da, wo viele Menschen, Interessen und Erwartungen zusammenkommen, bleiben natürlich auch Unverständnis, Enttäuschungen und Verletzungen nicht aus. Aber allgemein war es bisher doch eine überwiegend positive Resonanz. Zudem habe ich schon zahlreiche Anfragen und Bittgesuche bekommen, diese Aktion im kommenden Jahr doch zu wiederholen. Schaun wir mal. Gedanken, etwas Ähnliches für kommende Jahr zu organisieren, sind auf jeden fall schon da. Dann vielleicht in einem noch größeren Umfang, sodass Leute, die von weiter her kommen, auch eine Übernachtungsmöglichkeit bekommen. Ob dies allerdings noch mal in Fritzlar stattfindet, soll erst einmal offen bleiben.

Das Ziel soll weiterhin bleiben, dass Heiden sich untereinander versammeln, um für mehr Toleranz einzutreten. Und da wir ja künftig ein bisschen mehr „gemeinsam streiten“ wollen, anstatt gegeneinander, hier nun eine kleine, allerdings nicht chronologische Auswahl an Stimmen. Beginnend mit dem spannenden Bericht einer Augenzeugin, die damals bei der Einweihung des Denkmals im Jahre 1998 quasi fast mit vor Ort war:

 

Von Sabine, am 26.6.2012

Hallo Thomas!

Leider hab ich erst in den Domstadt-Nachrichten von eurem Gedenktag in Fritzlar erfahren, zu gerne wär’ ich ja dabei gewesen.

Eine kleine Geschichte, die Dich sicherlich interessiert dazu:

 Das Bonifatius-Denkmal wurde an einem Samstag in Fritzlar mit großem Tamtam eingeweiht. Aber angeliefert und aufgestellt wurde es am DONNERstag davor und an diesem Tag ging ein gewaltiges Gewitter über Fritzlar nieder, so etwas habe ich noch nie erlebt! Ich wohnte damals in Rothhelmshausen, einem Stadtteil von Fritzlar, etwa 5 km Luftlinie entfernt. (Der Nachbarort ist Ungedanken, wo sich der Büraberg befindet, auf dem das Kloster stand, von wo aus Bonifatius nach Fritzlar (bzw. Geismar) kam. Die Eder bildete damals die Grenze zwischen den bereits christianisierten Franken und den noch heidnischen Chatten.)

Ich wunderte mich damals, warum auf einmal so viele Autos durch unser kleines Dorf fuhren. Es stellte sich heraus, dass durch den heftigen Regen am Büraberg (wo Bonifatius wohnte) ein so großer Erdrutsch passierte, dass die Bundesstraße, die dort entlang führte, komplett überschwemmt war. Ich fand, das war ein tolles Zeichen von den alten Göttern, dass es sie sehr wohl gibt und ich schrieb daraufhin einen Leserbrief, der auch gleich am nächsten Tag in der HNA zu Lesen war. Darin hab ich ausgedrückt, dass die Natur nicht von Gott getrennt werden kann und die Zerstörung der Natur auch die Zerstörung Gottes bedeutet. Bei der Einweihungsrede am Samstag hat der damalige Dechant Conrad sogar Bezug darauf genommen und klargestellt, dass Gott sehr wohl über der Natur stehe. Naja, katholisch halt.

;-) 

Ich musste übrigens sehr schmunzeln über Deinen Kommentar auf der Fotogalerie zu Herrn Dr. Skubella, den Du ja dann doch noch auf einem Foto gefunden hast. Ich kenne ihn schon lange, er hatte mich vor vielen Jahren schon mal eingeladen, in den Kulturverein zu kommen, da hab ich mir im Stillen so gedacht, wenn er mich genauer kennen würde, würde er mich sicher nicht mehr fragen. ;-)  Er merkt leider selbst überhaupt nicht, wie zwanghaft er ist. Völlig unfrei und angespannt. Er hatte sichtlich Angst, dass "seinem" wunderbaren Denkmal etwas passiert.

 

Vielen Dank auch für die Aufnahme in Deinen Mailverteiler, dann verpasse ich die nächste Aktion wenigstens nicht!

 

Viele Grüße!

Sabine

 

Von Ela 18.6.2012

Ich glaube nicht, dass die Stadt Fritzlar oder der Künstler
absichtlich naturreligiöse Menschen verletzen wollte.

Die wenigsten Menschen wissen überhaupt das es uns gibt. Folglich kommt man gar
nicht auf die Idee ein 1999 aufgestelltes Denkmal, dass die Zerstörung einer
heiligen Eiche zeigt, jemanden verletzten könnte. Man weiß auch gar nichts von
den Menschen, die eine moderne Wiederbelebung dieser früheren Religionen leben.
Deshalb ist es wichtig zu zeigen wer wir sind und das es uns gibt. Dies war mein
persönlicher Grund teilzunehmen. Auch ich fürchte um meine
"Seriosität" im Job. Und genau das ist das Traurige: Menschen einer
Minderheitsreligion die nicht für Extremismus bekannt ist, müssen um ihre Jobs
und Seriosität fürchten, wenn ihre Religion bekannt wird. DAS sollte es
eigentlich nicht mehr geben. Doch weil "wir" (oder einige von uns)
Angst haben, zeigen wir uns nicht und die Leute wissen nicht dass es uns gibt -
wie soll man eine Religion respektieren, von deren Existenz man nichts weiß und
deren religiöse Gepflogenheiten völlig unbekannt sind?
Die Katze beißt sich in den Schwanz.

Ich habe mich bewusst für Alltagskleidung entschieden, weil ich zeigen wollte,
dass wir "normale" Menschen sind (wie andere Religionen auch ein
Querschnitt durch die Schichten und Einstellungen). Andere haben entschieden
die Kleidung zu nutzen um damit ihre Religionszugehörigkeit zu zeigen. Niemand
würde sich über einen Priester oder Ministranten in ihrer
"Funktionskleidung" lustig machen oder beim Kirchentreff über T-Shirts
wo "What would Jesus do?" draufsteht. Für manche ist
"Reenactment" die Art eben diese Zugehörigkeit zu zeigen.

Ela

 

Von Kerstin Müller. 18.6.2012

 

Aber wehe die Christen gehen gegen ein heidnisches Denkmal an!! 

Völlig übertriebene Aktion!

 

Von Maria van Lee, 18.6.2012 (die auf Katrins Meinung oben antwortet)

 

Kerstin: Die Stadt Fritzlar hat damit angefangen, indem sie nach all der Zeit wieder dieses Denkmal aufgestellt haben.

Nein, das soll jetzt kein "Aber der hat meine Sandburg zuerst kaputt gehauen" werden, sondern als das verstanden werden, was es ist.
Ein Zeichen, dass damit die Gefühle naturreligiöser Menschen verletzt werden.
Was daran "übertrieben" ist, sehe ich ehrlich gesagt nicht.

Und wegen "Christen gehen gegen ein heidnisches Denkmal an" ... es war in der Vergangenheit ausschließlich so, dass heidnische Heiligtümer mit christlichen überbaut wurden, um die Christianisierung voranzutreiben.

Mich würde glatt mal interessieren, was passiert wäre, wenn man statt der Statue zu Ehren des Bonifatius ein Denkmal für die gefällte Eiche aufgestellt hätte.

Und jetzt ist es übertrieben, dass heutige naturreligiöse Menschen dahingehen und an diese Eiche erinnern? Wieso denn?
Es wurden doch nicht mal Anstalten gemacht das Denkmal zu stürzen, der ausgleichenden Gerechtigkeit willen (bitte nicht den Sarkasmus überlesen)

Abschließend: Die Aktion als solches ist sehr schön, die Umsetzung leider etwas unglücklich ... hat auch auf mich als Asatruar ein bisschen den "Reenactment-Kostümfest"-Eindruck gemacht.

 

Von Ines Lüders, 20.6.2012  (die ebenfalls auf Katrins Meinung antwortet)

 

Liebe Kerstin Müller,

hättest du mir da Beispiele? Ich wüsste da keine. Zumal es in unserem schönen Land extrem viele christliche, aber KEINE (bzw. so gut wie keine mehr) heidnischen Denkmäler gibt.

Der Kern des Ganzen ist und bleibt die Toleranz. Es ist nicht förderlich, in einem Land, das sich per Grundgesetz die Religionsfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat, eine Statue zu errichten die ganz bewusst die Angehörigen einer Gruppe oder Religion herabsetzt. Niemand sagt etwas gegen Denkmäler, auch nicht gegen solche die einen christlichen Hintergedanken haben, aber es ist nicht zielführend und moralisch (auch unter dem Aspekt christlicher Moral gesehen) falsch, ein Denkmal aufzustellen, das zu sagen scheint "Seht her, wir haben euch besiegt, wir sind die Sieger, ihr habt verloren. Und um das gut dazustellen nehmen wir euch euer Heiligtum.". Das führt Nächstenliebe eher ad absurdum.

Grüße

Ines Lüders

 

Von Burgos von Buchania, 20.6.2012

   Bonifatius wurde nicht ermordet - So stellt es die katholische Kirche gern dar.

Er wurde lediglich daran gehindert, weiterhin die Leute an der Ausübung ihres Glaubens zu hindern. Sie mit der Hölle zu bedrohen, mit Fegefeuer und sonstigem Blödsinn. Auch wurde ihm so die Möglichkeit genommen, getaufte Christen zu ermorden, weil diese nicht der römischen Linie folgen wollten.
WER KENNT DIE ZAHL DER ERMORDETEN CHRISTEN, die durch den EINFLUSS BONIFATIUS ums Leben gebracht wurden.
WER KENNT DIE ZAHL DER ANDERSGLÄUBIGEN; die durch den EINFUSS des Massenmörders 
WYNFRIEDS, (auch Wynfnith, Winfrid, Winfried, * 672/673, spätestens 675 in Crediton in der Nähe von Exeter im damaligen Kleinkönigtum Wessex), ums LEBEN gebracht wurden.Gegen ein Bonifatius Denkmal haben die Wenigsten etwas.  
Massenmörder werden oft gelobt und mit einem Denkmal geehrt.
Von Kaiser Constantin über Karl den Großen, Stalin, Mao usw. 

Die gefällte Eiche und die Bonifatiusdarstellung mit der OBI-Axt in der Hand ist eine bewusste Provokation.

Keiner dieser Denkmalbefürworter hätte sich getraut, eine Skulptur gegen den jüdischen oder gar mohamedanischen Glauben aufzustellen. Da wäre die Angst größer als die Abneigung gegen eine andere Glaubensform.

Burgos v. Buchania

 

Von Rivka Catpaw, 20.6.2012

 

Ich habe einen Traum... dass Heiden es irgendwann auf die Kette kriegen, sich in der Öffentlichkeit als ganz normale Menschen zu präsentieren. Mal ehrlich, es ist doch kein Wunder, dass niemand uns oder unsere Anliegen ernst nimmt, wenn "wir" (ich zähle mich was das betrifft dezidiert NICHT dazu) bei solchen Veranstaltungen rumlaufen als wär's das Mittelerdefest.

Im Vorfeld fand ich die Idee zu dieser Aktion wirklich gut und unterstützenswert und hätte gerne teilgenommen. Von einer Teilnahme haben mich am Ende Zweifel abgehalten, die sich, wie ich sehe, leider voll bewahrheitet haben.
Obwohl ich weiß, worum es geht, und selbst Asatruar bin, wirkt diese Aktion allein durch die Kostümierungen sogar auf mich lächerlich und unseriös. Kein Wunder, dass Leute, die nicht Bescheid wissen und mit neuheidnischen Religionen nichts zu tun haben, das erst recht finden.

Asatru und andere neuheidnische Religionen haben nichts mit "Leben in der Vergangenheit" zu tun. Die Wurzeln dieser rekonstruierten Religionen liegen zwar weit in der Vergangenheit (das ist bei fast allen anderen Religionen allerdings ebenso der Fall), aber der Glaube wird von modernen Menschen im Hier und Jetzt gelebt, und das funktioniert ganz wunderbar. Auch mit iPod, Smartphone und Klamotten von H&M. Götter interessiert sowas nicht, die werden schon mitbekommen haben, dass wir uns weiterentwickelt haben. Glaube findet im Herzen statt und in der Welt und der Zeit, in der wir gerade leben, egal ob Christ, Jude oder eben Asatruar.

Leider vermitteln Heiden, die im Zusammenhang mit ihrem Glauben so anachronistisch auftreten, der Allgemeinheit dennoch immer wieder, es handele sich eher Pseudoreligionen von Leuten, die zwischen ihrem Reenactment- oder Fantasy-Hobby und der Realität nicht mehr so ganz unterscheiden können. Auch erweckt es den Anschein, als wolle man sich bewusst von der restlichen Gesellschaft abheben und ausgrenzen und fordert aber doch, ernst genommen zu werden. Das passt nicht zusammen.

Gruß
Rivka

 

Von Svear Asatru, 20.6.2012

Toleranz ist für mich hier das falsche Stichwort. Wir können alle miteinander leben, aber den jeweils anderen mit einem Denkmal zu demonstrieren, wie siegreich man gegen diese war ist nicht gerade förderlich für einen Dialog.

Die Statue in Fritzlar verletzt die Gefühle von Heiden und bestätigt anfassbar, die christliche Narrenfreiheit, die keine andere Religion oder spirituelle Richtung in Deutschland hat. Welche Religion hat schon solche Privilegien im Alltag wie das Christentum (z. B. Feiertage, Kirchengebimmel, staatlich geförderte religiöse Stätten, usw.)?. Siegen ist eine Sache, Jahrhunderte danach noch damit anzugeben eine andere...

Svear

 

Von Jörg Hergeth, 20.6.2012  (der hier u. a. auf eine vorangegangene Meinung antwortet)

 

@ Lautarius: Hier geht es bestimmt nicht ums "bekehren" oder gar um ein "missionieren", wie es das Christentum oftmals mit brutaler Gewalt auf dieser Welt durchsetzte - im Gegenteil sprechen wir Heiden und auch insbesondere die Celtoi uns von solchen Missionierungsgedanken frei...man kann sich an unserem Glauben ein Beispiel nehmen und sich vll. sogar anschließen...oder es einfach lassen. Dank der heutigen weltweiten Vernetzung, dank der Archäologie und Altertumsforschung, befinden wir uns heute auf einem Wissenstand, der die Aussagen der christlichen Kirche (aber auch anderen Religionen) Lügen straft...wie z.B. das alte Testament etliche Inhalte aus dem Gilgamesch-Epos aus dem Kulturkreis der Sumerer, evtl. sogar dem Etana-Mythos aus dem 24. Jhd. v. Chr. enthält. Doch wir sind tolerant, solange wir ebenfalls toleriert werden, weder missioniert, noch beleidigt werden...wie z.B. durch ein solches Denkmal, welches die Vernichtung des Heidentums gutheißt. Für uns ist das Heidentum auch keine Religion...denn Religionen sind Erfindungen von Menschen, um andere Menschen durch Angst fügsam zu machen, wie z.B. der Darstellung, in die Hölle zu fahren. Wir verstehen das Heidentum als Lebensstil, darauf, Ressourcen zu schonen, Egoismus und Materialismus abzulehnen, ebenso wie den Radikalismus, und Werte wie Menschlichkeit und Güte in dieser Gesellschaft hochzuhalten; der Kulturerhalt spielt dabei zwar eine ebenfalls wichtige, doch eher erst zweitrangige Rolle.

LG, Jörg

 

Black Sun, 17.6.2012  (der erstaunt darüber ist, von dieser Aktion zu erfahren)

 

Solche Leute gibt es noch? Ich bin zwar völlig tolerant in Glaubensdingen, aber die anfänglich brutale Christanisierung der Sachsen - zu denen gehörten die Chatten - und Friesen trug unterm Strich nachrangig auch viele Vorteile. Mein Gott, das ist nunmal Geschichte und wenn nicht ein Glaube ein Grund für Expansion bietet, dann was anderes. Ich halte aber nichts davon, Denkmale o.Ä. deshalb zu verändern oder etwas ähnliches. Denn mal ganz ehrlich: Genau wie heute waren Menschen früher Pragmatiker. Unterm Strich hat die Mehrheit den Gott angebetet, dessen Anhänger in haben leben lassen und vielleicht noch ein Goldstück in die Hand drückten. Wäre heute nicht anders. Für genug Geld wechseln dann genug Deutsche zu was anderem, Hauptsache der Rubel und das Leben stimmt.

Black Sun

 

Von Guus Gardenstone, 20.6.2012

 

 

Es ist nun mal so... die Sieger schreiben die Geschichte. Und hier war es generell das Christentum das gesiegt hat. Wo es Sieger gibt, gibt es meistens auch Besiegte. Bonifazius hat damals für die Christenheit wichtiges getan, für die Besiegten, Heiden könnten wir auch sagen, und diese wohnten hier damals auch, war das auch 'wichtig'..... aber in anderen Sinne, denn ihre Kultur und Religion wurde teilweise zerstört. Das alles kann man nicht zurückdrehen, das will auch niemand, aber sich daran erinnern im Sinne der heutigen Toleranz gegenüber Andersgläubigen ist leider noch immer wichtig, denn Anhänger einer Naturreligion werden in manchen Teilen Deutschlands lächerlich gemacht, drangsaliert und sehen sogar oft ihre Jobs bedroht. Es soll daher nicht wundern, dass auch hier über eine Demo naturreligöser Menschen geblödelt wird. Das Bonifazius-Denkmal ist für viele Heiden ein Symbol für Intoleranz, stellt es doch Bonifazius als Sieger über Heiden dar indem er ein altes heiliges Symbol zerstörte. Das ist Grund genug für Nauturreligiösen um in heutiger Zeit auf gesellschaftlicher Intoleranz ihnen gegenüber hinzuweisen.
Wenn aus religiösen Gründen etwas unternommen wird, sei es eine Feier, ein Ritual oder halt hier eine Demo, dann tragen viele etwas, das ihre Religion auszeigt, wie z.B. Kreuze, besondere Kopfbedeckung, usw. Weshalb sollte es dann wundern, wenn Naturreligiöse etwas 'Natürliches' auf dem Kopf tragen. Zudem wechseln viele naturreliöse Menschen ihre Alltagskleidung für eine Gewandung wenn sie sich auf irgendeiner Weise mit ihrer Religion beschäftigen, das ist für viele zur Tradition geworden und hat auch religiöse Bedeutung.
Und in eine bestimmte politische Ecke sind Naturreligiösen nicht einzuteilen, fast alle politische Richtungen sind bei ihnen vertreten.
Die heidnischen Religionen wachsen in Deutschland sehr langsam.... langsam, denn aus Prinzip und Überzeugung missionieren sie nicht, versuchen sie nicht andere zu ihrer Religion zu bekehren. Jede und jeder muss deshalb selber zu sie finden, die eigene persönliche Initiative ist entscheidend. Information ist aber auf Anfrage zu bekommen.
Jede und jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, auch wenn damit etwas anscheinend Unverständliches ins Lächerliche gezogen wird. Man könnte sich aber auch eine eigene Meinung bilden indem man sich gut informiert, das muss freilich aber nicht sein... tu ich auch nicht immer.... oft, aber nicht immer. :-)

 

Guus

 


 

Teinehmerin der Aktion, 17.6.2012

Nur zur Aufklärung: wir waren amtliche (also von der Polizeit gezählt) 110 Teilnehmer, keine "rund 80" wie in der Presse genannt. Die Schweigeminute wurde nicht von den Glocken, sondern einer Autoalarmanlage begleitet (nicht mal gestört), die Glocken läuteten ein paarmal an recht passenden Stellen, als unterstrichen sie die Reden. Zwischen Voenix' Tränen und seinem Ausruf lag eine ganze Rede und die Schweigeminute war nicht für die Eiche, sondern für die Opfer der Kirche! 
Im Übrigen wurde der Künstler, der die Statue gebaut hatte, eingeladen, er konnte nicht kommen, der Pfarrer von Fritzlar wurde eingeladen und konnte nicht und der Vorsitzende des Kulturvereins hatte wohl leider nicht den Mut, sich den Menschen zu erkennen zu geben und ihnen das zu sagen, was er dem "Journalisten" mitteilte. Sehr schade!

Aber immerhin hieß es von der katholischen Kirche, sie wäre zumindest zu einem Dialog bereit, wenn sie schon nicht den Eichensetzling als Symbol für die Handreichung annehmen wollte. Tja, zumindest einige der Christen waren dabei und setzten sich ebenso für mehr Toleranz zwischen den Religionen ein! 

Soweit noch einige von den fehlenden Fakten!

Gruß von einer Teilnehmerin

 

Alva Faolchú Coille

 

Das Denkmal stellt doch in sich Intoleranz dar, warum sollten wir, die wir tolerant sind nicht gegen Intoleranz protestieren dürfen?

 

Suchers (Celtoi e.V) nichtgehaltene Rede zu Fritzlar am 16.06.2012:

 

Im Vorfeld der Demonstration kam mir der Ausspruch eines Unbeteiligten zu Ohren: "Warum stellen die sich so an? Wir schreiben das Jahr 2012 und nicht das Jahr 724!“
Nun, das wusste ich bereits. Trotzdem bin ich diesem Mitmenschen dankbar. Er hat mir vor Augen geführt, dass heute in Glaubensfragen der Artikel 4 des Grundgesetzes bestimmend ist und nicht die Axt im Walde.

Wir Celtoi betrachten die Sprengungen von Buddhastatuen durch Angehörige der Taliban in Afghanistan im Jahre 2001 und die Brandstiftung in einer christlichen Kirche durch Islamisten in Algerien im Jahre 2010 als ausgesprochene Schande.
Wir würden es nicht besonders gut finden, wenn den Sprengstoffbenutzern in Afghanistan und den Brandstiftern in Algerien Denkmäler gesetzt würden.
Deswegen fanden wir uns heute am Denkmal für Herrn Bonifatius in Fritzlar ein, weil wir denken, dass dieser moralisch auf der gleichen Stufe wie die oben erwähnten extremen Taliban und die ebenfalls oben erwähnten extremen Islamisten steht.

Wir sind der Meinung, dass die Tat von Bonifatius allenfalls denkwürdig, aber keinesfalls denkmalwürdig ist.

In diesem Sinne fordern wir alle Mitmenschen zum ernsthaften Nachdenken auf.

Sucher

 

Von Martin H. 20.6.2012

 

 Toleranz bedeutet nicht meinungsfrei alles hin zu nehmen was geschieht oder geschehen ist.
Das Denkmal bezeugt die Intoleranz der Kirche.
Bonifazius hat sich was dabei gedacht genau diese Eiche zu nehmen, um "seine" Kirche zu bauen.
Wir sind keine NAZIS. Ende der Diskussion.

Leider konnte ich nicht kommen.

Martin

 

Von :D, 20.6.2012

 

An all jene, die Unverständnis oder Häme zeigen:
Kleingeister :)
Einfach lächerlich!
Für euch kommt der Strom aus der Dose und Sprit fürs Auto gibts auch in 100 Jahren noch.
Euere Götter sind "Mediamarkt" und "Saturn" : "Ich bin doch blöd" und "Dummheit ist geil"

Egal wie lange das her ist, was Bonifazius getan hat und das hier bezeugt wird.
Es ist ein typischer Akt der Institution Kirche und hier auch noch eines Einzeltäters,
der sich noch nicht mal hinter der Kirche verstecken kann.

Ihr, die ihr es nicht versteht, schweigt doch lieber stille, denn eure Dummheit so zu entblößen!

:D

 

Von Petra, 21.6.2012

  Hallo,

ich fand das eine gute Aktion. Den HNA-Artikel fand ich sehr ausgewogen und hatte, trotz der Kostümierungen, den Eindruck, dass die heidnische Position ggü. dem Bonifatius-Denkmal gut verständlich rüberkam. Die Repliken des Denkmal-Initiators und des Künstlers des Bonifatius-Denkmals zeigen mMn, dass die Aktion ein Stück weit zum Nachdenken angeregt hat. Gut fand ich auch, dass der Artikel zum Ausdruck brachte, dass heutige Heiden Diskriminierungen fürchten und sich nicht in der "rechten Ecke" sehen.
Gefreut hat mich nebenbei, dass dieser mMn wirklich ganz positive Artikel von einer Autorin stammt, die dem Namen nach türkische Wurzeln haben dürfte, und vielleicht selbst nachfühlen kann, wie es ist, als Minderheit im Schatten der christlichen Kirchen zu stehen.

Voenix ist ein Mensch, der gern und wirksam Aufmerksamkeit auf sich zieht und sich selbst ein wenig als Kunstwerk inszeniert. Nicht alle mögen das, manche neiden ihm das, aber er setzt seine Person und sein künstlerisches Schaffen sehr engagiert für das germanische Heidentum ein. Dafür gebührt ihm Anerkennung!

Peace,
Petra

 

Von Jan Fries, 20.6.2012

 

Lieber Voenix,

zunächst einmal möchte ich mich bedanken, Deine Idee, eine Kundgebung zu veranstalten

war einfach richtig gut.

Ich weiß nicht, wie es Dir da so geht, aber ich lebe eher zurückgezogen. Was in der hiesigen Heiden & Okkultszene abgeht, bekomme ich nur selten mit, und die meisten Leserbriefe, die hier so ankommen, stammen von Leuten, die mir erzählen, dass ihre Medikamente nicht mehr anschlagen und dass sie mir jetzt das Geheimnis des Universums mitteilen müssen, oder wie sie im amerikanischen Knast mit der Hilfe von „Helrunar“ den Weg zum Odinismus entdeckt haben, und jetzt erkennen, dass man nicht unbedingt immer Insassen und Wärter verdreschen muss, sondern nur manchmal.

Kurz gesagt, manchmal frage ich mich, wer eigentlich da draußen meine Bücher liest, bzw. ob es einen „da draußen“ gibt.

Die englische Heiden & Okkultszene umfasste schon in den 70-ern mehr als 30 000 mehr oder weniger aktive Mitglieder. Wicca-Gruppen machten auf den Uni Campusen Meetings und bei Spaziergängen in der Countryside stieß ich immer wieder auf kleine Opfergaben, Zauberbündel, Kerzenreste usw. Besonders begeisterte mich bei dortigen Treffen, dass es wirklich alle Sorten wundevoller, schräger, genialer, durchgeknallter, bescheuerter, intelligenter, chaotischer, farbenfroher, seriöser, lustiger und sonst wie einzigartiger Leute gibt.

Polytheismus und Pantheismus benötigen ganz einfach, genau wie das Leben selbst, eine riesig Menge variabler und kombinierbarer Vielfalt. Und genau so eine Mischung kam dann in Fritzlar zusammen. Wir bewohnen ein winziges Biotop mit einer großen Artenvielfalt.

Ich persönlich würde das ganze zwar nicht unbedingt als Demonstration bezeichnen, denn auf dem Domplatz war ja nun wirklich kaum Publikum, und was kundgegeben wurde, dürfte den Meisten hoffentlich bekannt gewesen sein, aber es war schön, zu sehen, dass zumindest Manche von uns Zeit, Lust und Mut hatten, für ihre ausgesprochen originelle Religionsfreiheit zusammen zu kommen. Und das hat mich ausgesprochen aufgemuntert.

Ich möchte Dir hiermit also ein Dankeschön sagen.

Alles Liebe für Dich und die Deinen,

 

Jan



 

Von Jötunn, 25.6.2012  (sie hat mit ihren schönen Eichenkränzen, der Räucherung und der Aufforderung zum Tanz einen wertvollen Beitrag zum Ablauf der Versammlung geleistet.)

 

Hallo Voenix,
nach einer fast schlaflosen Nacht - ausgelöst durch das Lesen des Pressespiegels zu deiner Aktion in Fritzlar - möchte ich für meinen Seelenfrieden ein paar Worte loswerden.
Zunächst einmal bereue ich nicht, dabei gewesen zu sein. Die öffentliche Äußerung unserer verletzten paganischen Gefühle und die Demonstration unserer Heilungswege empfand ich als gut und richtig, ja sogar notwendig in einer Gesellschaft, die durch eine künstlich geschaffene Unterdrückungsreligion an körperlichen und seelischen Kollektivkrankheiten leidet.

Allerdings verstehe ich erst jetzt, warum manche Pagans NICHT gekommen sind - mit der Begründung, daß sie berufliche oder soziale Nachteile befürchteten: daß es solch unsauberen Journalismus überhaupt noch gibt, hatte ich völlig ausgeblendet, weil ich keine volksverdummenden Mainstream-Blätter lese.
Nichtsdestotrotz zeugt die lokale Berichterstattung von subjektivem Kleingeist und Unverständnis jeglicher Zusammenhänge - oder sind es nur denkfaule Mietmäuler des Establishment, die ihr Sammelsurium an Vorurteilen und persönlichen Phantasien genüßlich breittreten?
Vielleicht könnte man denen mal ernsthaft klarmachen, daß WIR es sind, die neue Wege aus der kollektiven Misere suchen, wenn auch mit Hilfe Alter Pfade - und daß wir keine verstaubten Götterleichen aus dem Grab holen, sondern auf dem Weg der spirituellen Heilung kraftvolle göttliche Archetypen in uns wiederentdecken und zu leben suchen......... Aber das ist wohl zu hoch für Provinzschreiberlinge, die ihrem lokalen "Führer" und dessen Anhängerschaft nach dem Maul reden. Und auch noch glauben, ihre Wahrheit sei die einzige Wahrheit.
Was ich ebenfalls nicht ganz nachvollziehen kann ist: an einer Stelle (oder mehreren) wird in manipulativer Weise behauptet, daß bunt gekleidete Menschen (zu denen ich ebenfalls gehöre) unseriös bzw. nicht ernst zu nehmen sind......... häääh?!?
Muß ich mir, um ernstgenommen zu werden, eine schwarze Shirt-Jeans-Uniform made in Bangladesh anziehen? Oder in der neuesten Mode von Zalando & Co. daherkommen, um nicht altertümlich zu wirken? Die Maskierung durch Industriegefertigte Kleidung an Industriegesteuerten Menschen soll für Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit stehen?
Ich fass es nicht!!!
In meinem paganen Alltag gehören Second-Hand und Selbstgenähtes zur authentischen Persönlichkeitsdarstellung. "Farbe bekennen", wie es so schön heißt - nach außen zu zeigen, wer man ist. Nicht hinter fremdgestalteten Mode-Industrie-Masken verstecken.

Fazit: Ich bin enttäuscht über die Berichterstattung der Lokalpresse. Eigentlich sollte man von kommunikativ geschulten Menschen eine gewisse Objektivität erwarten können, so wie ich das von deinen (und anderen "ernstzunehmenden") Statements gewohnt bin.
Allerdings lasse ich mich aus diesem Grund nicht davon abhalten, weitere Aktionen ähnlicher Art zu unterstützen.

Namaste, Jötunn

 

Uodal Bärenhart, 26.6.2012

 

ICH Grüsse DICH!
DU, es war mir eine EHRE bei sooooooo einem GUT GEPLANTEN ACTION für UNSERE SACHE dabei sein zu DÜRFEN und AUCH ein wenig BEITRAGEN zu können.
ICH kann dich nur LOBEN was du da auf die Beine gestellt hast,......du glaubst nicht wie die sich ÄRGEN;-) die nicht KONNTEN oder ihre BEDENKEN hatten. Aber auch die, die davon erst zu spät erfuhren.
selbst wenn WIR nur EINEN erreicht hätten, hätten wir schon einen bewegt mal nachzudenken!

GLÜCK u HEIL für DICH und DEINE LIEBSTEN!

Uodal

 

Christian Kordas 1.7.2012


Ich freue mich, ein wenig zum Gelingen dieser, in Anbetracht meines sonstigen heidnischen Wirkungskreises, sicherlich recht "bunten" Veranstaltung beigetragen zu haben.
Natürlich kann und sollte darüber diskutiert werden, ob dieses oder jenes hätte anders gemacht werden können.
Jedem sollte dabei klar sein, dass es eine Premiere mit Experimentiercharakter war.
Aber in den Tagen unmittelbar nach der Aktion in Fritzlar haben mich einige kritische Stimmen erreicht von denen nur der geringere Anteil konstruktiv war.
Nun soll mir die Frage erlaubt sein, was die Mehrzahl dieser Leute bisher alternativ "auf die Beine gestellt" hat?
In unserer Zeit des Mitbestimmenwollens ohne Mitverantwortung, in der Meinungsmache in den modernen Medien als geeigneter Ersatz für das Handeln im realen Leben angesehen werden, ist wohl auch vielen die Motivation einmal eine eigene Vision konsequent zu verwirklichen abhanden gekommen.
Dir zum Glück nicht, mein Freund

beste Grüße,

Christian


Von Gerhard Liefke,  26.06.2012 

(Er und seine Frau Carmen haben die musikalische Einlage mit Flöte und Gitarre eingebracht)

 

Hallo Voenix,

Der Weg war nicht umsonst, es hatte für uns so etwas wie einen Neuanfang, klein wie der Eichensetzling, aber mit allem ausgestattet, um zu wachsen und zu gedeihen!

„Dir, Hüter des Wissens und des alten Glaubens,
erhalte die Huldigungen zum Wohle des Stammes aufrecht.
Düsteren Blickes stehst du an der Pforte der Erinnerung.
Du bringst die Hoffnung des Stammesfriedens, die niemals stirbt!“

Mit diesem „ogham kenning“ sagen wir Dankeschön an Dich und an alle, die mit uns diesen Anfang gewagt haben. Möge das Pflänzchen in unseren Herzen gedeihen!

Liebe Grüße Carmen, Gerhard und Lugh vom Bodensee.