Interview anlässlich des Tarot-Kongresses 2009

Kurzinterview-Tarotkongress in Hamburg

Interview beim Tarotkongress mit Voenix

Voenix ist seit 1993 freischaffender Künstler, Buchautor, Illustrator und Maler. Sein Hauptinteressengebiet sind die vielschichtigen Mythologien des Abendlandes. Von ihm stammen unter anderem die Kartensets „Das Mythen- Tarot“,  „Magie der Runen“ und  „Das Germanische Götterorakel“. 

Welche Eindrücke haben Sie auf dem Kongress gesammelt ?

V: Ich finde es positiv, dass so ein Ereignis mal angeboten wurde, wo sich die unterschiedlichsten Leute begegnen können. Da ich nicht so oft unter die Leute gehe, unterschätze ich es zuweilen, wie interessant und zuweilen befruchtet so ein Austausch mit den eigenen Lesern oder Gleichgesinnten sein kann. Es sind hier sehr bunt gestreute Leute unterwegs und Individualisten sind mir die Liebsten. Auch das abendliche Essen war wunderbar, allerdings hätte ich dabei gerne gesessen. Das vielleicht als Anregung fürs nächste Mal.

Sie haben das Mythen-Tarot gemalt und auch das Buch dazu geschrieben. Was hat Sie zum Tarot geführt ?

Mir kam schon sehr früh das Buch vom Crowley-Tarot von Akron und Hajo Banzhaf in die Finger. Das fand ich damals schon sehr spannend. Vor allem aber hat mir die Systematisierung dieses Werkes gefallen. Dass ich jedoch selbst mal einen Tarot angehen würde, war eigentlich nie vorgesehen. Nachdem ich einen Runen- und ein Götterorakel erstellt hatte, war ich zunächst der Ansicht, dass es aufgrund der enormen Fülle an Tarot-Decks nicht auch noch eines von mir bräuchte. Doch der Urania-Verlag kam damals mit der Bitte für eine erneute Zusammenarbeit auf mich zu und herauskam nach fast 4 Jahren Arbeit eben besagter Mythen-Tarot, über den ich mich noch intensiver über mein spezielles Themengebiet auslassen konnte.

Zum Schreiben selbst bin ich aber über das Runen-Orakel gekommen. Bis zum Jahre 1993 hatte ich mich eigentlich stets nur als Maler, nicht aber als Autor gesehen. Ein Freund von mir, der eindeutig der Intellektuellere von uns beiden war, hatte die Idee, ein gemeinsames Runen-Set zu gestalten. Er wollte das Buch schreiben und ich sollte die Karten dazu illustrieren. Ich habe also viel recherchiert, und versucht, mich auch praktizierend in die Runen hineinzuversenken. Dann waren die Karten nach einem halben Jahr fertig und er hatte mit dem Buch noch nicht einmal begonnen. Da sämtliche Versuche, ihn zum niederschreiben seiner gesammelten Notizen zu bringen, kläglich scheiterten, beschloss ich dann, das Begleitbuch selbst zu verfassen. Motiviert war ich genug, da ich die Karten bei Urania bereits mit einer Zusage eingereicht hatte. Allerdings äußerten sie zunächst Vorbehalte wegen dem Buch, mit der Begründung, dass es wohl nicht so häufig vorkommt, dass Künstler zu ihren Werken automatisch auch brauchbare Bücher abliefern.  Als ich das Manuskript nach einem ¾ Jahr dann eingereicht habe, konnten sie sich von ihrer Skepsis wohl verabschieden, denn sie haben es anstandslos genommen.

Ich hatte als künftiger Autor also eine positive „Erstprägung“ und musste nicht, wie viele andere, ewig irgendwelche Verlage mit der Bitte nach einer Veröffentlichung abklappern, da die Tür über die Bilder ja quasi schon mal aufgestoßen war. Über die Arbeit an dem Buch habe ich mich an meine Schulzeit erinnert, in der das Verfassen von Aufsätzen stets eine meiner Stärken war. Es war sehr befruchtend, dass auf diese Weise der Intellekt wieder neu gefordert wurde. Entsprechend motiviert folgte dann als nächstes mein persönliches Hauptwerk, die „Weltenesche“, in der ich mich detailliert in Wort und Bild der mythischen Welt der nordisch/germanischen Götter widmete. So kam dann ein Buch nach dem anderen.

Kurz gesagt, eigentlich hat mich erst das „Nichtschreiben“ meines einstigen Freundes zum Schreiben gebracht, was kurz darauf unter anderem zu meiner inzwischen langjährigen Freundschaft mit Akron führte. Eine für mich sehr wichtige Erfahrung, da sie mich gelehrt hat, wie wichtig zuweilen die antagonistischen Kräfte sind. In diesem Falle wirkten sie durch die Verweigerung meines Freundes, gepaart mit einem Satz, der im Crowley-Tarotbuch unter der Karte des Magiers zu finden ist. Ich habe ihn grad nicht wörtlich parat, aber er lautet in etwa: Alles, was Dir wichtig ist, musst du selbst tun!

Was ist Dein nächstes Projekt?

V: In der Pipeline ist ein Mittelerde-Tarot. Ich hab ein komplett neues und zeitgemäßes Tarot zum Thema „Der Herr der Ringe“ gemacht. Da die Lizenzen aber fest in den Händen der Amerikaner sind, sind die Verhandlungen sehr schwierig. Nach über einem Jahr intensiven Recherchierens habe ich bereits die richtige Kontaktperson in den Staaten gefunden. Sogar eine brauchbare Übersetzerin für den englischen Markt hätte ich schon in petto. Im Moment benötige ich allerdings jemanden, der den Mut, die Kompetenz und die entsprechenden „Eier in der Hose“ hat, mit den Amis in Verhandlungen zu treten, weil sie mit mir als Einzelperson gar nicht erst sprechen. Also, wenn sich jemand hier angesprochen fühlen sollte, kann er sich sehr gerne bei mir melden.

Was bedeutet der Mythen-Tarot für Dich? Und wie würdest Du Dich und Deine Arbeit selbst definieren?

V: Ich wurde schon öfter gefragt, als was ich mich bezeichne und nachdem ich gehört habe, was ein Mythologe macht, würde ich mich inzwischen wohl als solcher bezeichnen – natürlich nicht ausschließlich. Ich habe zwar nie studiert, war dafür aber immer ein reiner Autodidakt. Das hat den Vorteil, dass du nicht automatisch all die Prägungen übernimmst, mit denen du an der Uni konfrontiert wirst, wie du dich diesem Gebiet anzunähern hast. Ich durchforsche die Mythologien auf zweierlei Arten. Einmal schriftstellerisch, d.h. ich recherchiere so genau wie möglich und mache mir meine eigenen Gedanken dazu. Dann beschäftige ich mich sehr stark mit dem Symbolhaften, der Wirkung von Farben und setzte dies alles gemeinsam dann künstlerisch um. Anders ausgedrückt - eine gegenseitige Befruchtung von linker und rechter Gehirnhälfte. Leiten lasse ich mich dabei so gut es geht von meiner Intuition. Gibt es ein Thema, das mich interessiert, tauche ich durch diese kreative Auseinandersetzung hinein und bin selbst immer wieder überrascht, was das Unbewusste dabei zutage fördert. Der Mythen-Tarot stellt somit das komprimierte Ergebnis meiner Arbeit der letzten 20 Jahre dar. 

Unterrichtest Du das ? Gibst Du auch Kurse ?

V: Auf Kurse bin ich schon oft angesprochen worden, konnte mich dafür bisher aber noch nicht durchringen, da ich mich nicht als Lehrer oder ähnliches verstehe. Allerdings halte ich zuweilen Lesungen oder gebe auch schon mal einen Vortrag zum Thema. Auf jeden Fall bin ich offen für Anfragen, wenn Sie nicht zu weit weg von meinem Wohnsitz in der Nähe von Köln stattfinden. Man findet mich unter 

 www.voenix.de