Interview im Zukunftsblick, Dezember 2010

Interview mit der Zeitung Zukunftsblick

Voenix

 

Schon im Kindesalter entdeckte der Maler und Autor Voenix (42) seine Liebe zur Mythologie. Aus der Liebe ist vielseitige und zugleich polarisierende Kunst geworden, mit der er den Menschen über Zeichnungen und Geschichten die alten, machtvollen Archetypen der heidnischen Götter wieder ins Bewusstsein und in die Herzen rufen will. Einen Überblick über alle Werke finden Sie auf www.voenix.de

 

Voenix, mit 27 Jahren wurdest Du freischaffender Künstler. Wie kam es dazu?

 

Ich hatte eine abgebrochene Lehre als Offset-Drucker und eine abgeschlossene Lehre als Werbetechniker hinter mir. Danach arbeitete ich ein paar Jahre als Trainer in einem Sportstudio, wo ich jemanden kennen lernte, mit dem die Idee entstand, ein Buch über die Runen zu machen. Ich sollte die Bilder malen, er die Texte dazu schreiben. Als ich die Karten dann fertig hatte, hatte er mit dem Buch jedoch noch nicht einmal angefangen, also schrieb ich das Buch selber. Der erste angeschriebene Verlag nahm Buch und Karten an, wodurch ich also ein sehr positives Prägeerlebnis hatte. So bin ich eigentlich zum Schreiben gekommen. Bis dahin hatte ich mich nie wirklich als Autor, sondern stets nur als Maler gesehen. Während der Recherche zu diesem Runenbuch merkte ich jedoch wie sehr mir das Schreiben Freude macht. So entstand dann als nächstes die Idee zur Weltenesche, geboren aus dem Wunsch, den ganzen mythischen Gestalten und Göttern aus der Edda ein Buch zu widmen, in dem ich sie aus vielen Winkeln beleuchte.

 

Und wie hat sich Deine Leidenschaft für das Malen entwickelt?

 

Schon als Kind zeichnete ich viele mythologische Themen, ohne dass mir das bewusst war. Ich begann mit Gustav Schwabs Sagen des klassischen Altertums, ein Klassiker zur griechischen und römischen Mythologie. Damals in den 70ern hörte man ja nichts von den germanischen Sagen, sie waren nach wie vor – gerade auch in den Schulen – tabuisiert. Im Fernsehen gab es eine Sendung namens „Die Irrfahrten des Odysseus“, die mich so inspirierte, dass ich die Sagen um Troja auf ähnliche Weise nachdichtete und zeichnete. Mit 20 lernte ich dann oben genannten Freund im Sportstudio kennen, der in der germanischen Mythologie recht bewandert war und mir vorschlug, ich solle doch einmal den Göttervater Odin zeichnen. Ich malte ihn, ohne sein Aussehen zu kennen. Als ich dem Freund das Bild zeigte, war der sehr beeindruckt, weil ich Odin einäugig gemalt hatte ohne zu wissen, dass er einäugig war. Da wurde ich sehr aufmerksam und fing an, mich mit der nordischen Mythologie zu beschäftigen. Seitdem hat sie mich nicht mehr losgelassen.

 

Andere offenbar auch nicht – Du hast ein Buch über Tolkiens Wurzeln in der nordischen Mythologie geschrieben …

 

Genau. Der große Verdienst Tolkiens war, dass er diese nordischen Archetypen in ein neues Kleid gesteckt hat. Tolkien begann etwa um 1938 mit dem Herrn der Ringe. Während also bei uns die Nazis die nordischen Archetypen für ihre Propaganda missbrauchten und das Thema nach dem Krieg entsprechend tabuisiert war, hat Tolkien diesen Gestalten ein anderes Gewand und eine neue Bühne gegeben und so lebten sie weiter. Ich glaube, dass viele junge Amerikaner – denen natürlich die lange Kulturgeschichte von uns Europäern fehlt – dass diesen Nachfahren ausgewanderter Europäer in Tolkiens Werk die Seelenarchetypen der eigenen Urahnen wieder begegnet sind – deshalb hatte und hat der Herr der Ringe bis heute diesen enormen Erfolg. Tolkien war ein Kenner der Edda, der finnischen Kalevala und verschiedener anderer nordischer Werke. Mit dem Herrn der Ringe hat er sich seinen eigenen mythologischen Kosmos erschaffen und ihn zugänglich gemacht für viele andere Menschen. Ich denke, mit meinen Asgard-Sagas, der Romanserie über die germanischen Götter, an der ich gerade wieder arbeite, mache ich etwas ähnliches: Zwar erfinde ich keine eigene Welt, aber ich lasse die alten Archetypen wie z.B. Freyja oder Thor als Romanfiguren neu auferstehen und gebe ihnen neue Geschichten, wie sie sie erlebt haben könnten, wären sie uns überliefert worden. Ich orientiere mich natürlich an dem, was wir in der Edda finden, baue es dann aus, achte aber darauf, die Grundcharaktere nicht zu verändern.

 

An welcher Geschichte arbeitest Du denn zurzeit?

 

An meinem 5. Roman der Asgardsagen, der den germanischen Dichtergott Bragi zum Inhalt hat. Der Titel wird „Bragis lange Heimkehr“ heißen. Es ist allerdings noch nicht klar, wann und wo er erscheinen wird. Für mich ist an dieser Arbeit besonders spannend, dass dieser Skalde Bragi wirklich einmal existiert haben soll. Am Ende des Romans befindet sich deshalb auch ein Quellennachweis darüber, was über diesen Bragi historisch festgehalten ist.

Der darauf folgende Roman ist auch schon zu gut 60 % fertig, darin erzähle ich über die Abenteuer von Loki und Thor.  Eigentlich schreibe ich gerade an 5 Büchern gleichzeitig: Ragnarök, den Untergang der Götter, thematisiere ich in einer Trilogie.

 

Dafür hast Du wahrscheinlich intensiv Recherche betrieben?

 

Das stimmt, doch die letzten Jahre lese ich kaum noch etwas. Ich habe 10 Jahre lang tief recherchiert und alles gelesen, was ich zum Thema fand. Inzwischen ist dieses Wissen verinnerlicht und ich finde kaum noch etwas darüber, was ich noch nicht kenne. Ich habe jetzt weiter die keltische Mythologie erforscht und mich auch mit der griechischen noch intensiver auseinandergesetzt. Da dauert es nicht lange, bis man die Verbindungen findet und Bezüge untereinander herstellt. Im Grunde geht es um dieselben Archetypen, sie gleichen sich in so vielerlei Hinsicht. Je weiter man zurückgeht, umso mehr Ähnlichkeiten entdeckt man überall. Diesem Gedanken lag auch mein Mythen-Tarot zugrunde.

 

Hast Du eine Mission als Künstler? Gibt es etwas, was Du den Menschen vermitteln möchtest?

 

Tief in meinem Herzen bin ich ein Geschichtenerzähler. Ich möchte diese alten Archetypen in anschaulichen Geschichten wieder lebendig machen, Lebenserkenntnis und Weisheiten darin vermitteln. Und ich möchte den Menschen die heidnische Weltanschauung wieder näher bringen. Das Wort „Heide“ ist durch die Christen noch immer negativ besetzt – ich möchte das Bewusstsein der Menschen dafür öffnen, dass es sich hier tatsächlich um eine uralte und besonders tolerante Weltreligion mit viel Weisheit und starken Bildern handelt. Heide zu sein bedeutet für mich Spiritualität im direkten Erfahren und Austausch mit der Natur zu erleben. Dafür brauche ich also weder in die Kirche zu gehen, noch muss ich dafür irgendwelche schwachsinnigen Steuern entrichten. Ich gehe einfach hinaus in den Wald und fühle mich schon besser, sobald ich ihn betrete. Und genau deshalb liegt dem Heiden auch der Schutz unserer Umwelt am Herzen – fertig!

 

 

Welche Künstler haben Dich auf Deinem Weg zum Maler beeinflusst?

 

Ich war immer schon begeisterter Comicleser. In den 80er Jahren gab es einige Comic-Künstler wie z.B. Richard Gorben, die mich sehr geprägt haben – ebenso mein zeichnerisches Frauenbild, was mir ja immer wieder als sexistisch angekreidet wird. Allerdings vergisst man dabei, dass ich Männer in demselben Stil zeichne! Bei den klassischen Malern inspirierten mich vor allem Böcklin und Caspar David Friederich mit ihren Naturbildern.

 

Auf welches Deiner Werke bist Du besonders stolz?

 

Die Weltenesche. Das waren vier Jahre intensiver Arbeit. Wobei auch der Mythen-Tarot von Umfang und Tiefe her ungefähr der Weltenesche entspricht. Leider hat dieses Tarot nicht dieselbe Beachtung gefunden.

Seit dem letzten Jahr habe ich übrigens wieder verstärkt begonnen, Comics zu zeichnen. Der Magus, eine Funny-Comicfigur, nimmt die esoterische und magische Szene auf die Schippe. Der Magus existiert schon seit 10 Jahren, doch vor kurzem entschied ich mich dann, mich noch einmal intensiver damit zu befassen. So sind 4 komplett neue Bände entstanden, die ich inzwischen auch farbig gestalte. Der v. Band ist eine Persiflage auf Harry Potter und steckt voller Witze und lustiger Anspielungen – da kommt jeder HP-Fan voll auf seine Kosten! Sie erscheinen in der Edition Roter Drache. Der 3. Band erscheint jetzt im Herbst 2010.

 

Stand für die Figur des Magus Dein Freund Akron Pate?

 

(lacht) Ja, teilweise schon. Vor allem das Haus ist in manchem Akrons Schlösschen nachempfunden.

 

Du arbeitest seit vielen Jahren eng mit Akron zusammen. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

 

Er entdeckte von mir 1995 die Runenbilder im Urania-Verlag, der auf seinen Wunsch hin den Kontakt zu mir herstellte. Seitdem haben wir zusammen viel Kreatives zu Wege gebracht. Spannenderweise wollte ich ihn schon immer mal kennen lernen. Zwei Wochen bevor er dann telefonisch zu mir Kontakt aufnahm, habe ich von ihm geträumt. Durch seinen Anruf erhielt der Traum natürlich eine ganz neue Bedeutung.

 

Dein Künstlername soll auch durch Akron entstanden sein…

 

In gewisser Weise schon. Er hat ja eine große Gabe dafür, Dinge, die schon da, aber noch nicht greifbar sind, aufzunehmen und auszusprechen. Im Sommer, bevor ich ihn traf, hatte ich einen Traum, in dem ein Phönix nachts aus mir aufstieg, während eine Stimme sagte: „Der Phönix ist erwacht!“ Ich konnte damit damals nicht viel anfangen. Aber als ich dann Charles kennen lernte, meinte der, ich sollte mir ein Künstlerpseudonym zulegen. Ich fand das zuerst befremdlich, dann aber schrieb er meinen vollständigen Namen Thomas Vömel in den Computer, spielte mit den Buchstaben herum und meinte, Voenix würde doch passen. Als ich Zuhause darüber nachdachte, fiel mir mein Traum wieder ein und dann wusste ich, das ist der richtige Name, er hatte das schon gesehen. So kam ich zu dem Namen.

 

Hältst Du Seminare oder Vorträge?

 

Das Jahr über halte ich immer wieder Vorträge auf verschiedenen Mittelaltermärkten oder Heiden-Treffen. Die Termine gebe ich meist vorher ich auf meiner HP: www.voenix.de bekannt. Für kleine Seminare und Vorträge bin ich generell offen, da kann man gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Größere Seminare waren bisher noch nicht so mein Metier, aber das mag sich irgendwann noch ergeben.

 

 

Wenn Du zwei Wünsche frei hättest - jeweils für Dich und für die Menschheit – was für Wünsche wären das?

 

Für die Menschheit wünsche ich mir mehr Bewusstheit – dass die Menschen ihr Tun einfach mehr begreifen. Und ihre Herzen wieder mehr öffnen. Persönlich wünsche ich mir, mein Leben weiter im Strom der Kraft zu halten.

 

Welcher Kraft?

 

Tja, wie soll man das kurz beschreiben? Ich glaube, dass alles hier einem unsichtbaren Plan folgt und jeder Mensch eine Aufgabe oder ein Seelenziel hat, mit dem er auf die Welt kommt. Je näher man an diesem Ziel ist und erkennt, wohin einen die Sterne führen wollen, desto mehr ist man in seiner Kraft! Vor 26 Jahren habe ich einen Spruch gelesen, den ich nie vergessen habe und der mein Lebensmotto geworden ist: „Sei Dir Deiner selbst bewusst und erkenne Dich selbst, denn gleichgültig wie viel Du gelernt hast und wie viel Du weißt – solange Du Dich nicht selber kennst, weißt Du überhaupt nichts!“ Das sagt es am besten!

 

Voenix, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

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© Michelle Schopen, 13. Dezember 2011