Interview mit der Zeitung "Der Lichtbringer" im Frühjahr 2011

Der Lichtbringer

Interview mit Voenix

 

Voenix, Künstler und Buchautor, setzt sich seit vielen Jahren kreativ mit den Sagen und Mythologien unseres Abendlandes auseinander. Er ist bekennender Heide und in dieser Szene bereits recht gut bekannt. Grund genug für uns, ihm mal ein paar Fragen zu stellen.

 

 

  1. Einigen Leuten ist der Name Voenix sicherlich ein Begriff. Wer ist der Mann, der hinter den Büchern und Bildern, hinter dem Namen Voenix steht?

 

Mein bürgerlicher Name lautet Thomas Vömel und ich werde in Kürze 43 Jahre alt. Ich bin 1,95 m groß, gebürtiger Schwabe und wohne derzeit in NRW. Ich habe eine 9-jährige Tochter und arbeite etwa seit meinem 25-igsten Lebensjahr als freischaffender Künstler.

 

  1. Deine Bücher und Bilder beschäftigen sich vornehmlich mit der nordischen Mythologie. Wie bist du zu dieser Thematik gekommen?

 

Seit Kindesbeinen an habe ich stets mythische Themen gemalt und das brachte dann irgendwann mit sich, mich auch intellektuell damit auseinanderzusetzen.

Zum Schreiben bin ich also über die Mythen und im speziellen über die Runen gekommen. Bis zum Jahre 1993 hatte ich mich eigentlich stets nur als Maler, nicht aber als Schriftsteller gesehen. Ein Freund von mir, der eindeutig der Intellektuellere von uns beiden war, hatte damals die Idee, ein gemeinsames Runen-Set zu gestalten. Er wollte das Buch schreiben und ich sollte die Karten dazu illustrieren. Ich habe also viel recherchiert und mich auch praktizierend in die Runen hineinversenkt. In dieser Zeit haben wir uns immer wieder ausgetauscht, ohne dass ich aber mitbekam, dass er seinen Teil unserer Abmachung nicht einhielt. Dann waren die Kartenbilder nach einem halben Jahr fertig und er hatte mit dem Buch noch nicht einmal begonnen. Da sämtliche Versuche, ihn zum niederschreiben seiner gesammelten Notizen zu bringen, kläglich scheiterten, beschloss ich schließlich, das Begleitbuch selbst zu verfassen. Motiviert war ich genug, da ich die Karten bei dem Schweizer Urania-Verlag bereits eingereicht und eine Zusage dafür erhalten hatte. Allerdings äußerten der zunächst Vorbehalte, mit der Begründung, dass es nicht so häufig vorkommt, dass Künstler zu ihren Werken automatisch auch brauchbare Bücher abliefern. Als ich das Manuskript nach einem weiteren halben Jahr dann eingereicht habe, konnten sie sich von ihrer Skepsis aber wohl verabschieden, denn sie haben es anstandslos genommen.

Ich hatte also eine positive „Erstprägung“ als Schreiberling und musste nicht, wie viele andere potentielle Autoren, ewig irgendwelche Verlage mit der Bitte nach einer Veröffentlichung abklappern, da die Tür über die Bilder ja quasi schon mal aufgestoßen war.

Über die Arbeit an dem Runen-Buch habe ich mich an meine Schulzeit erinnert, in der das Verfassen von Aufsätzen stets eine meiner Stärken war. Es war sehr befruchtend, dass auf diese Weise der Intellekt wieder neu gefordert wurde. Entsprechend motiviert folgte dann als nächstes mein persönliches Hauptwerk („Weltenesche-Eschenwelten“), in dem ich mich detailliert in Wort und Bild der nordisch/germanischen Götterwelt gewidmet habe. Hieraus entstand dann der Wunsch, diese alten Archetypen in Romanen zu neuem Leben zu erwecken. Nachschlagewerke zu schaffen ist zwar eine erkenntnisreiche Arbeit, aber erst in Geschichten werden die Figuren lebendig und man nimmt den Leser mit auf eine Reise in sein eigenes Unbewusstes. So kam dann ein Buch nach dem anderen.

Kurz gesagt, eigentlich hat mich erst das „Nichtschreiben“ meines damaligen Freundes zum Schreiben gebracht.

 

  1. Was fasziniert Dich so an der Mythologie und was möchtest du mit deinen Schriften und Bildern vermitteln?

 

Ich finde es sehr spannend, welche hochbrisanten Lebensthemen sich in den einzelnen Mythen widerspiegeln. Da geht es vielfach um Intrigen, Liebe (meist sehr tragisch) aufgrund von Missverständnissen, aber ebenso darum, Wissen zu erwerben und für seine Überzeugungen einzustehen. Kurzum, alles, was uns Menschen auch heute noch beschäftigt. Die Grundenergien dahinter sind, trotz höherer Ethik, Werte und Kultur, vielfach die selben geblieben.

Mit meinen Bildern und Schriften versuche ich den alten Göttern und vielen anderen Archetypen ein neues Gewand zu verleihen, indem ich sie in Geschichten auftreten lassen, denen der Leser dann in neue Abenteuer folgen kann. Gleichwohl gerade meine Romane wohl gerne zur Fantasy-Literatur hinzugezählt werden, habe ich nicht den Anspruch (wie z.B. seinerzeit Tolkien) mir komplett neue Welten auszudenken, sondern ich übernehme das mythische Weltbild unserer Vorfahren und baue diesen Gestalten quasi eine neue Bühne, auf denen ich sie agieren lasse. Ich erzähle also bekannte wie neue Geschichten über die alten Götter, für all jene, die solche gerne lesen. Habe dabei aber den Anspruch, diese Archetypen nicht aus ihrem angestammten Kontext zu reißen, sondern sie so zu beschreiben, wie sie uns überliefert worden sind. Dabei lege ich großen Wert auf korrekte Recherche und dass scheint bei vielen Lesern, gerade aus der Heiden- und Reenactment-Szene gut anzukommen, wo man auf diverse Details und genaues Hintergrundwissen achtet.

Und mit vielen meiner Bilder drücke ich Stimmungen meiner Seele aus, die im besten Fall genau die gleichen Stimmungen beim Betrachter hervorrufen, der sich in ihnen wieder findet.

 

  1. Was kann die Beschäftigung mit der nordischen Mythenwelt dem einzelnen Menschen geben? Und was bedeutet es für Dich Heide zu sein?

 

Da kann ich erst mal nur für mich selber sprechen. Ich habe in dieser Beschäftigung so etwas wie eine geistige Heimat gefunden. Schon als ich das erste Mal die Edda las, wurde ich von solch einer Vielzahl von Bildern und inneren Eindrücken überschwemmt, dass ich dieser Flut nur dadurch Herr werden konnte, dass ich beschloss, die wichtigsten Gestalten dieses Werkes in einem eigenen Buch zu versammeln.

Mir persönlich haben die Mythen, die Sagen über die alten Götter, stets Freude, Trost, Kraft und Inspiration vermittelt. Trost immer dort, wo ich in diesem kraftlosen christlichen Glauben, wie Du ihn hier in diesem deutschen Lande nach wie vor quasi als „Geburtsrecht“ aufgezwungen bekommst, keinerlei zufrieden stellende Antworten erhielt. Die Mythologie gab mir Wurzeln, wo ich hier keine mehr fand.

Natürlich stellen die teilweise bluttriefenden Heldensagen keine Alternativen zur Religion dar, ich meine damit vielmehr den nordisch-germanischen Geist, der einem insbesondere durch die zentrale Gestalt von Wotan/Odin entgegentritt, einem Weltenwanderer und Suchenden, der überall, wohin er kommt, Wissen sammelt und mit diesem seinen Horizont erweitert. Vor allem aber kann dieser nordische Geist zutiefst inspirierend wirken. Er kann in einem z.B. das Verlangen wecken, lyrische Texte oder auch epische Sounds zu schöpfen, wie es bspw. Manowar schon recht früh in vielen ihrer Lieder getan haben. Dass sich daraus heute sogar eine eigene Musikrichtung wie der Viking-Metal entwickelt hat, zeigt doch, wie stark das Bedürfnis einiger Menschen ist, sich auf diese Weise damit auseinanderzusetzen.

Heide zu sein bedeutet für mich Spiritualität im direkten Erfahren und Austausch mit der Natur zu erleben. Dafür brauche ich also weder in die Kirche zu gehen, noch muss ich dafür irgendwelche schwachsinnigen Steuern entrichten. Ich gehe hinaus in den Wald und fühle mich schon besser, sobald ich ihn betrete. Und genau deshalb liegt dem Heiden auch die Bewahrung unserer Umwelt am Herzen, da sie erst die Grundlage seines Daseins darstellt. So einfach ist das!

 

  1. Wenn man sich mit der Edda vertraut machen will, steht man zunächst mal vor einer ungeheuren Komplexität, und ohne Kenntnis über die Hintergründe gewisser Schlüsselworte bleibt Vieles missverständlich. Hast du ein paar Tipps wie man sich einen Zugang zu den Texten erschließen kann?

 

Es gibt da schon diverse Bücher, die den Inhalt der Edda in verständlichere und leichter lesbare Form gegossen haben. Einem Anfänger, der es dennoch versuchen möchte, empfehle ich in jedem Fall ein entsprechend lexikalisches Nachschlagewerk zur Seite zu legen, um so das Wissen über einzelne Personen oder Zusammenhänge quasi immer als Rüstzeug dabei zu haben. Mit einer der Gründe, warum ich damals ja die „Weltenesche“ gestaltet habe. Dort findet man in komprimiertem Wort und Bild alles Wesentliche zur Edda.

Und um Kindern den Zugang zur Edda zu erleichtern, bin ich bereits an einem Projekt, über das ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht mehr sagen will.

 

  1. Seit dem zweiten Weltkrieg und seinen Folgeereignissen wird, zumindest in Deutschland, alles was mit der nordischen Mythenwelt, Germanentum und Runensymbolik zu tun hat schnell in die politische Nazi-Ecke geschoben und abgeurteilt. Wie stehst du dazu?

 

Zum Leidwesen der Mythologie tauchten damals im Vorkriegsdeutschland (neben den pseudo-germanischen Aufmärschen der Nazis) dutzende von Pseudo-Intellektuellen auf, die unter Miteinbeziehung irgendwelcher Sagen die teilweise abstrusesten Theorien über mögliche rassenkonforme Vergangenheiten aufstellten. An den Haaren herbeigezogene Dinge, die bis heute weder belegbar noch nachvollziehbar sind. Doch prägen diese Vorkommnisse das Denken einiger Leute bis zum heutigen Tage.

Glücklicherweise habe ich persönlich bisher nur sehr wenige negative Erfahrungen, sprich Anfeindungen, diesbezüglich machen müssen. Zwar wird man hie und da immer noch schief angeschaut, wenn man öffentlich dazu steht, sich mit der eigenen Mythologie und Vergangenheit zu beschäftigen, aber so langsam, den Göttern sei’s gedankt, sterben die alten Unkenrufer aus und eine tolerantere Haltung ist auf dem Vormarsch. Diverse „Odin“ grölende Faschos oder linksradikale Betonköpfe, die eifrig bemüht sind die alten Klischees aufrecht zu erhalten, wird es aber wohl trotzdem noch eine ganze Weile geben.

Dann will ich noch loswerden, dass es einfach eine Schande ist, dass bis heute an den meisten Schulen zwar die Griechen und Römer durchgenommen werden, die eigenen Götter aber größtenteils noch immer außen vor bleiben. Da sind die Walldorfschulen glücklicherweise schon ein ganzes Stück weiter als der Rest unseres hiesigen Kulturministeriums, das die Lehrpläne zusammenstellt.

 

  1. Stichwort: „Gut – Böse – Polarität“ – Was fällt dir dazu ein?

 

Oh je, da gibt es ja bereits etliche Bücher zu dem Thema. Ich weiß nur soviel, dass wir Menschen zeitweise wohl immer wieder Feindbilder benötigen, um in ihnen unsere eigenen, unliebsamen Anteile zu bekämpfen. Dann gibt es die solche „natürlichen“ Eigenschaften wie Konkurrenzneid, Habgier, Eifersucht usw. alles Emotionen bzw. Instinkte, die nicht unbedingt unsere friedfertigsten Seiten darstellen. Da braucht es schon einiges an Reife und Erfahrung, um nicht gleich jeden, der uns was will, als Böse abzustempeln. Ebenso ist nicht derjenige gleich automatisch gut, nur weil er glaubt, einer gerechten Sache zu dienen. Aber da könnte man jetzt unendlich ausufern. Ich zitiere hier lieber mal die ersten beiden Sätze eines Buches von Albert Sánches, das ich neulich las: „Wir ähneln denen, die wir hassen, mehr als wir denken. Und deshalb glauben wir, dass wir denen, die wir lieben, nie ganz nahe sind.“ Lohnt sich, mal näher drüber nachzudenken.

 

 

  1. Was darf man in nächster Zeit an Veröffentlichungen von Dir erwarten, welche Pläne und Träume hast Du für die nähere und weitere Zukunft?

 

 

Im vergangenen Jahr habe ich viel Zeit damit zugebracht, eine meiner Comic-Schöpfungen neu zu beleben. Damit meine ich die Funny-Comic-Figur „der Magus“. Dabei handelt es sich um einen schrulligen Typen in Kapuze, der sich in der Welt der Magie und Hexen aufhält, und sich dennoch immer wieder mit Alltagssorgen herumplagen muss. Außerdem verarbeite ich dort diverse eigene Erfahrungen, die ich in den letzten 15 Jahren in der okkulten Szene gesammelt habe. Die Comics erscheinen im Roter-Drache-Verlag.

Tja, und dann bin ich grade immer noch am brüten, was wohl das Beste für meine Romane über die nordischen Götter sein wird. Seit der Arun-Verlag sie nicht mehr auflegt, sind sie allesamt vergriffen. Der 5.Band ist aber in Bälde fertig und dann habe ich vor, sie alle unter dem Titel „Asgardsagen“ neu aufzulegen. Nur wann und wo, steht gerade noch in den Sternen. Aber kommen werden sie definitiv.

Wer sonst noch Interesse an meinen Arbeiten hat, der klicke immer wieder mal auf meiner HP (voenix.de) vorbei.

 

 

  1. Gibt es Deinerseits noch etwas das Du den Lesern gerne mitgeben möchtest?

 

Hm, vielleicht, dass ich es als wichtig erachte, dass man seinen Geist gegenüber neuen Erfahrungen niemals verschließen sollte. Das Leben überrascht uns immer wieder mit kleinen, ab und an sogar mit großen Wundern. Es ist vielfach nur der Alltag, der uns glauben machen will, dass diese sichtbare Realität hier das einzige ist, was existiert und zählt. Doch das ist es nicht! Und das sage ich hier nicht als Drogenkonsumierender, weltfremder Spinner, sondern aus eigener Erfahrung. Vieles von dem, dem wir im Außen begegnen, hat mit uns selbst und unserer Entwicklung zu tun. Sich bei all dem selbst nicht zu wichtig zu nehmen und vor allem nicht seinen Humor zu verlieren, das wäre mein Rat an dieser Stelle.

 

 

In diesem Sinne, alles Gute für Dich und Deine Leser!