Interview in AHA - Vision & Voice des neuen Äons Ausgabe 04/2000

Dantes Inferno - Interview mit Voenix (Teil 2)

In der letzten Ausgabe berichteten wir über das Schaffen von Akron und Voenix, die mit dem Titel “Dantes Inferno" (als Buch und Comic) im Herbst 2000 auf den Markt kommen. Nun scheint sich hier überraschend ein neuer Rechtsstreit anzubahnen. Wir haben recherchiert und bei Voenix nachgehakt.

AHA: Im letzten Heft schrieben wir über “Dantes Inferno", das im Herbst auf den Markt kommen solle, und nun haben wir gehört, daß möglicherweise ein neuer Rechtsstreit ansteht. Wir dachten, nach dem Gerichtsstreit vor drei Jahren mit “Urania” sei der Weg nun frei?
Voenix: Es ist wirklich wie verhext. Zuerst streiten wir mit dem Urania-Verlag, der trotz eines rechtsgültigen Vertrages plötzlich nicht mehr drucken will, und nun haben wir umgekehrt Probleme mit dem EDIS-Verlag, der ohne rechtsgültigen Vertrag unbedingt drucken möchte!

AHA: Hört sich in der Tat seltsam an. War deine letzte Meldung nicht, daß ARUN jetzt den “Dante” druckt?
Voenix: Tut er auch, doch fangen wir mal von vorne an. Der “Urania-Verlag" wollte damals nicht drucken, weil das Werk - in Verdrängung der Tatsache, daß das Buch ja eine Reise durch die dunkelsten Kanäle des Menschen anstrebt - zu pornographisch und zu gewaltverherrlichend sei. Nachdem das langwierige gerichtliche Ringen um das Buch vor zwei Jahren dann endlich beendet war, bot sich überraschend die Verlagsdistribution EDIS an. Ein Familienbetrieb, der manchem Leser möglicherweise durch die “edition akasha" bekannt ist, die sie unter anderem vertreiben. Sie waren anfänglich auch voll ansteckender Euphorie und Akron und ich waren zunächst froh, unser “geistiges Seelenschiff" endlich in den rechten Hafen gebracht zu haben.

AHA: ...zunächst? Und was hat da dann nicht geklappt?
Voenix: Ja, wenn ich das wüßte. Ich glaube, die waren vom Namen Akron und seiner Medienpräsenz in der Schweiz angetan. Möglicherweise haben sie nicht die erhoffte Resonanz erreicht. Auf jeden Fall wurde es nach der Buchmesse 99, wo ich Mitarbeiter von EDIS persönlich kennenlernte und das Projekt besprach, immer stiller. Die Energie war raus und da wir keinen Vertrag mit ihnen hatten, konnten wir sie ja auch nicht “festnageln".

AHA: Wolltet ihr das denn?
Voenix: Unter solchen Umständen natürlich nicht! Aber wir hätten uns gewünscht, daß sie entweder drucken oder die Finger von dem Ganzen lassen und sich nicht einfach “totstellen", um dann gerade in dem Augenblick Schadensersatzforderungen zu stellen, wenn ein anderer Verlag einspringt. Interessanterweise hat Akron dieses ganze Szenario schon im Dezember vorausgesagt.

AHA: Wie das?
Voenix: Als ich Akron vor Weihnachten besuchte, um mit ihm gemeinsam ein letztes Mal Korrektur zu lesen, hat er mich schon am Bahnhof gefragt, was es Neues gebe. Ich sagte ihm, daß ich noch kurz zuvor mit EDIS telefoniert hätte, um über den Drucktermin zu reden, da hat er meine Schilderung mit dem Einwand weggefegt, daß er nicht glaube, daß sie das Buch jemals drucken würden.

AHA: Akron glaubte zu wissen, daß EDIS das Werk nicht drucken werde?
Voenix: Ja. Auf meine Entgegnung, daß wir noch gestern den Drucktermin auf Ende Januar festgelegt hätten, meinte er nur, das mache die Sache auch nicht besser, denn dann wüßten sie bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal, daß sie es schließlich doch nicht tun würden.

AHA: Und was hat Akron zu dieser Feststellung veranlaßt?
Voenix: Gute Frage. Er hat öfters solche Anwandlungen. Er sagt, es wäre sein inneres Empfinden, daß solche Energieentwicklungen wahrnimmt, und nach meiner Beobachtung hat er sich bei solchen Dingen auch noch nie geirrt.

AHA: Und Akron hat seelenruhig am Werk weitergearbeitet?
Voenix: Klar, wir sind davon ausgegangen, daß wir das Werk so oder so fertigstellen müssen, ganz egal, wer es wann druckt. Akron formulierte es so, daß wir mit EDIS wohl noch einige Schwierigkeiten bekommen würden, denn da sie bewußt nicht merkten, daß sie das Buch unbewußt gar nicht wollen, würden sie das Ganze solange hinauszögern, bis sie schließlich einen Grund gefunden hätten, der ihr unbewußtes “Nicht-Wollen” unterstützt. Wahrscheinlich würden sie solange warten, bis wir ihnen das Buch wegnehmen, um dann ihre eigene Verhinderung auf uns zu projizieren. Und weil sie sich aus ihrer engen Sichtweise im Recht glauben, mache dies das Ganze für uns nicht leichter.

AHA: Wie ging es weiter?
Voenix: Am dunkelsten Punkt des Jahres, nur wenige Tage vor Beginn des neuen Jahrtausends, hatten wir das Werk abgeschlossen. Wir verbrachten die kommenden Tage bis Sylvester bei Akrons Grafiker und feilten noch den Umschlag und einige Seiten im Buch aus. Unter anderem setzten wir die Titel und Cover für die nächsten beiden Comics fest und faxten diese an EDIS, damit sie einen Einblick in unser Schaffen erhielten und wir im Gegenzug die vorgesehenen ISBN-Nummern bekämen, die wir schon ins Buch setzen wollten. Und siehe da, schon kam die erste negative Reaktion, die besagte, daß auf den Umschlägen nichts “Anstößliches" zu sehen sein dürfe.

AHA: Das ewig leidige Thema mit der Zensur...
Voenix: Genau! Da wir durch unseren Krach mit dem ersten Verlag für derartige Einwände äußerst sensibilisiert waren, kamen auch mir zu diesem Zeitpunkt die ersten ernsthaften Zweifel, ob Akron nicht recht habe und das Werk bei EDIS richtig aufgehoben sei. Etwas direkter ausgedrückt: Ich reagierte auf diese Nachricht stinksauer, da mich die wiederholte Beschneidung der künstlerischen Freiheit echt zur Weißglut bringen kann.

AHA: Wie reagierte Akron?
Voenix: Er meinte, die würden sich jetzt auf alles stürzen, was ihnen einen Grund gebe, sich von der Sache distanzieren zu können. Ich wunderte mich, wie ruhig er mit dieser Tatsache umging, er sagte aber nur, daß ihm im Umgang mit diesem Werk jede persönliche Meinung und jedes Publikations-Geplänkel am “Arsch Vorbeiginge”; der “Geist" werde selbst wissen, wo er sich letztlich manifestieren werde. Vor meiner Heimreise habe ich ihm dann noch mein neues Buch “Weltenesche" geschenkt, das zur Buchmesse 99 in Stefan Ulbrichs ARUN-Verlag erschienen war. Einige Tage später, Mitte Januar, rief Akron mich an und teilte mir grinsend mit, daß EDIS in den nächsten Tagen drucken werde. Man hätte ihn gebeten, die redigierte CD entweder zu schicken oder mit ihr bei der Druckerei in Ulm zu erscheinen, er bekäme anderntags die Termine mitgeteilt. Auf meine Frage, ob er selbst hinfahren werde, sagte er, er würde einen Besen fressen, wenn dieser Drucktermin realisiert werden könnte, aber wenn, dann werde er selbst gehen, um sich das Prozedere anzusehen.

AHA: Und?
Voenix: Akron hat seit diesem Telefonat nichts persönliches mehr von EDIS vernommen!!! Anfangs März bat er mich dann, mit ARUN Kontakt aufzunehmen. Beim mehrmaligen Durchblättern der “Weltenesche" habe sich bei ihm das untrügliche Empfinden manifestiert, daß wir das Buch doch ARUN anbieten sollten.

AHA: Warum ist das Akron nicht früher eingefallen?
Voenix: Er meinte, daß er stets eines äußeren Umstandes bedarf, um einem inneren Gefühl nachgeben zu können, sonst würde er bald von seinen Emotionen beherrscht. Er bräuchte erst ein Omen, um auf der materiellen Ebene handeln zu können, und dieses habe er anfangs März erhalten.

AHA: Was war das für ein Omen?
Voenix: Die “Baphomet"-Distribution. Akron hat, nachdem er sich mit “Urania" wegen der “Dante"-Geschichte geeinigt hatte und die “Baphomet"-Produkte ein Teil der Abfindung waren, die Bücher EDIS in Kommission gegeben. Für Akron war klar, daß sie den Buchhandel darüber informieren würden, daß der “Baphomet" statt bei “Urania" nun bei EDIS bestellt werden könne. Das hat EDIS aber nicht getan. Akron konnte die verschwindend geringen Verkäufe aber anhand der Abrechnungen erst im März erkennen. Er ist der Sache nachgegangen und hat herausgefunden, daß das Werk im Buchhandel als vergriffen galt. Die Vertriebskanäle waren blockiert und die Kundenbestellungen wurden nicht mehr weitergeleitet. Der Alptraum eines jeden Autors. Damit war für ihn die Sache gegessen. Er wollte mit EDIS auch nicht mehr darüber reden. Er sagte, wenn ein Distributionspartner nicht weiß, wie er eine Kommissionsware zu vermarkten hat, dann gibt es darüber nichts zu reden. Um nichts zu verkaufen bräuchte es keinen Distributionspartner, und veräppeln könne er sich schließlich selbst.

AHA: Und wie reagierte ARUN als Du ihm den “Dante” anbotest?
Voenix: Das war wieder sehr mysteriös. Das erste, was Stefan Ulbrich zum Namen Akron einfiel, war, daß ihm das “Dante"-Manuskript vor 2 Jahren vom “Urania-Verlag" angeboten worden war. Er habe den Teilauszug aber nicht verstanden und deshalb abgelehnt. Heute würde er das bedauern, denn im Nachhinein wäre ihm Akrons Werk von verschiedenen Seiten her empfohlen worden. Es ärgere ihn immer noch, das Werk seinerzeit nicht publiziert zu haben. Dazu entdeckte ich vor kurzem noch einen älteren Brief von Stefan Ulbrich, den er mir schon im August 97 geschickt hatte und wo er mir am Rande mitteilte, doch gerne mal Einsicht in den “Dante” nehmen zu wollen. Der “Geist” war also schon lange vorher unterwegs.

AHA: Dann wart ihr ja nun auf der richtigen Fährte...
Voenix: Allerdings und Akron hat sich auch diebisch darüber gefreut. “Siehst du, der Geist des Werkes sucht sich seinen Weg, wir müssen nur seine Botschaften richtig deuten!”. Damit war für ihn klar, daß das Werk bei ARUN erscheinen würde, und er nahm die Sache sofort in die Hand. Ich selbst hatte allerdings noch ein paar Bedenken und fragte, was wir denn machen sollten, wenn EDIS nun doch noch drucken wolle. “Die werden das Buch ganz sicher nicht drucken", beruhigte er mich, “sonst wäre die Sache ganz anders verlaufen. Das hat doch die Baphomet-Geschichte gezeigt. Die wollen verdienen, ohne zu investieren. Ohne Werbung kriegen sie keine Vorbestellungen, und ohne Vorbestellungen riskieren sie die Druckkosten nicht. Wegen der günstigeren Kalkulation werden sie, wenn überhaupt, nur den Comic drucken wollen..."

AHA: Gehören Buch und Comic nicht zusammen?
Voenix: Nicht unbedingt. ARUN war anfänglich am Comic nicht so interessiert, nicht weil er ihn nicht gut fand, sondern weil er als Buchverlag mit Comics keine Erfahrungen hatte. Akron meinte, daß er es sich vorstellen könne, daß EDIS statt dem teuren Buch lieber den Comic publizieren wolle, weil die Druckkosten wegen der Verteilung auf acht Bände besser kalkulierbar wären. Würde sich der erste Band nicht rentieren, drucke man die anderen einfach nicht.

AHA: Dann hätte der Comic also ursprünglich doch noch bei EDIS erscheinen sollen?
Voenix: Im Prinzip ja. Wir hatten zwar beide kein gutes Gefühl mehr dabei, aber Akron sagte mir, ich solle es doch ruhig noch einmal probieren, nur so könnten wir erfahren, wo das Ganze hinwill. Interessanterweise bekam ich ab diesem Moment mit den EDIS-Leuten keinen Kontakt mehr. Sobald ich anrief, war keiner da oder ich wurde tagelang vertröstet. Erst nach Wochen gelang es mir, den Verantwortlichen ans Telefon zu kriegen, und von ihm erfuhr ich, daß man beschlossen hatte, zunächst nur das Buch zur Herbstmesse 2000 rauszubringen und den Comic im Frühjahr 2001 nachzuschieben.

AHA: Den Comic, der sich seit August 1999 in ihrem Besitz befand?
Voenix: So komisch muß ich bei dieser Nachricht wohl auch geschaut haben. Da war uns dann endgültig klar, daß diese Sache wohl nicht gut ausgehen würde. Akron lachte und meinte, genauso hätte er die Sache kommen sehen. Wahrscheinlich wollten Buch und Comic zusammenbleiben, und es sei ja nicht so, daß man die Sache ARUN nicht schmackhaft machen könne. Er schlug mir vor, gemeinsam nach unserer Walpurgis-Feier zu Stefan Ulbrich nach Thüringen zu fahren. Vorher ließ ich EDIS allerdings noch einen ultimativen, eingeschriebenen Brief zukommen. Falls die EDIS-Leute reagieren würden, könnten wir im Vorbeiweg in München haltmachen und einen möglichen Vertrag diskutieren, sonst würden wir das Ganze bei ARUN publizieren.

AHA: Und hat EDIS reagiert?
Voenix: Natürlich nicht. Obwohl ich auf eine Stellungsnahme und eine klare Entscheidung hindrängte, bekamen wir auch weiterhin keine Antwort. Man hielt es wohl für angebracht, sich weiterhin zu entziehen und in Schweigen zu hüllen. Erst nachdem wir bei ARUN unterschrieben hatten und ich EDIS schriftlich dazu aufforderte, meine Originale umgehend an mich zurückzusenden, sind sie wach geworden und wollten plötzlich Buch und Comic “sofort” drucken!

AHA: Ist das wahr?
Voenix: Ja klar! Jetzt, wo das Risiko wegfiel, das Buch drucken zu müssen, dessen Produktionkosten sie fürchteten, drehten sie den Spieß um und behaupteten, Gewinneinbußen und Produktionsausfälle zu erleiden.

AHA: Aber sie hatten doch nie einen Vertrag mit euch unterzeichnet?
Voenix: Korrekt. Aber jetzt, wo es klar war, daß sie das Buch nicht drucken würden, machten sie mündliche Absprachen geltend. Nachdem ich telefonisch mitgeteilt hatte, daß wir woanders unterschrieben hätten, wurde mein Gesprächspartner äußerst emotional, warf mir Vertragsbruch vor und machte später gegenüber ARUN Unkosten in der Größenordnung von DM 25'000.- geltend, da er sich im Vorfeld einen eigenen Scanner im Werte von DM 15'000.- extra für uns angeschafft hätte.

AHA: Also einen Vertragsbruch ohne Vertrag?
Voenix: Schön ausgedrückt! Sie haben inzwischen einen Anwalt eingeschaltet und drohen uns, die Comic-Originale einzubehalten sowie den Lagerbestand der“Baphomet"-Werke, die sie auf Kommission von Akron erhalten haben.

AHA: Au weia, hört sich nach einem weiteren Streitfall an!?
Voenix: Nicht unbedingt. Denn es geht EDIS als Vertrieb ja gar nicht um das Recht zu drucken, sondern um Geld und Spezial-Rabatte für alle “Dante"-Produkte.

AHA: Nicht dumm die Leute, aber sind solche Forderung nicht maßlos übertrieben?
Voenix: Meiner Meinung nach schon. Allerdings sind wir der Meinung, daß die Sache mit EDIS nicht nur schlecht war. Am Anfang war ihr Anerbieten, die Sache zu publizieren, für uns sicher hilfreich. Das hat uns Auftrieb gegeben. Daß die Sache schlußendlich gescheitert ist, ist eine andere Ebene, deshalb wird von unserer Seite ein gewisser Preis an “Dantes Geist" im Kleid von EDIS akzeptiert. Außerdem ist Akron überzeugt, die Sache rational bereinigen zu können.

AHA: Und wenn nicht?
Voenix: Wenn alle Stricke reißen, müssen wir den ersten Band eben von guten Kopien drucken, die ich wohlweislich noch im Schränkchen liegen habe. Nur ein anderes Cover wird’s dann wahrscheinlich geben, das ich noch neu anfertigen muß. Akron bemüht sich zur Zeit mit EDIS einen Kompromiß auszuhandeln.

AHA: Und wie wird dieser Kompromiß aussehen?.
Voenix: Akron überläßt EDIS das ihm geschuldete Honorar in Höhe von DM 6000.- aus “Baphomet"-Verkäufen; gleichzeitig erhalten sie für die Dante-Produkte einen Rabatt von 70% statt der üblichen 50-55%.

AHA: Das scheint für EDIS doch ein sehr günstiger Vergleich?
Voenix: Akron ist der Ansicht, daß in jedem materiellen Streit viel schlechte Energie steckt, die Materie bindet, und deshalb sollte man zur Beilegung eines solchen nicht zu kleinlich sein. Auf jeden Fall beweist diese Geschichte einmal mehr, das tiefgründiges Wissen einen zähen Kampf führen muß, bis es an die Oberfläche gelangen darf. Ich selbst kann abschließend dazu nur sagen: Wer immer glaubt, sich dem Geist dieses Werkes entgegenstellen zu müssen, oder meint auf unseriöse Weise davon partizipieren zu können, der läßt sich mit Energien ein, die irgendwann ihren Tribut einfordern werden. In diesem Sinne! 

AHA: Wirklich erstaunlich, was für Kräfte sich hinter solch unscheinbaren Vorgängen einer Buchpublikation verbergen. Heißt das denn nun, daß eure Bücher auf jeden Fall erscheinen werden?
Voenix: Wenn die Welt nicht vorher untergeht, pünktlich zur Buchmesse!

AHA: Wir wünschen euch viel Erfolg bei der Publikation eurer Werke.